Kino um acht. Falsch abgebogen. Richtig gelandet.
Ein Frühstücksevent das keines ist. Ein Kino am Morgen. Und drei Leute, die offen über Fehler reden. Warum das funktioniert – und was das m…
Anfang Juli war es wieder so weit: Im Museum Aguntum in Dölsach wurde der Peter Bruckner Preis 2026 verliehen. Mittlerweile zum fünften Mal. Und ich war dabei, mitten unter Designer:innen, Handwerksbetrieben und allen, die sich für die Schnittstelle zwischen Gestaltung und handwerklichem Können interessieren.
Wer war eigentlich Peter Bruckner, der dem Preis seinen Namen gibt? Ein 1935 in Lienz geborener Schlossermeister, der in Tristach eine eigene Werkstatt führte und dort Entwurf, Handwerk und unternehmerisches Denken auf eine Weise verband, die bis heute als Vorbild gilt. Sein Motto soll gewesen sein: „Einfach schlicht und doch ergreifend.“ Genau dieses Zusammenspiel aus gestalterischem Anspruch und handwerklicher Könnerschaft steckt bis heute im Namen des Preises, den Hans Stefan Moritsch von der New Design University St. Pölten 2022 ins Leben gerufen hat. Seit 2022 wird er in Osttirol von der INNOS GmbH ausgerichtet und ist mittlerweile bei seiner fünften Auflage angekommen.
Was mich an diesem Abend am meisten beschäftigt hat, war nicht nur die Qualität der eingereichten Arbeiten und die war beeindruckend, rund 120 Einreichungen aus elf Ländern, ein neuer Rekord für den Preis. Es war vor allem das Podiumsgespräch zum Thema Design × Handwerk × Markt, bei dem sehr offen über eine Frage gesprochen wurde, die mich in meiner eigenen Arbeit ständig begleitet: Warum kooperieren Designer:innen und Handwerksbetriebe eigentlich nicht viel öfter miteinander und was macht die Kooperation so schwierig?
Genau da ist die Diskussion angesetzt. Am Anfang jeder guten Zusammenarbeit zwischen Gestaltung und Handwerk steht offenbar nicht die Idee, nicht der Entwurf, sondern etwas viel Grundlegenderes: gegenseitige Wertschätzung. Und eine gemeinsame Sprache, die es so erst einmal nicht gibt. Designer:innen müssen die Prozesse eines Handwerksbetriebs verstehen lernen. Wie wird dort gearbeitet, welche Materialien stehen zur Verfügung, was ist technisch möglich und was nicht. Wie funktionieren die Materialien oder warum kann diese Idee nicht umgesetzt werden? Eigentlich also die Grundlage dafür, dass aus einem Entwurf überhaupt ein Produkt werden kann, das in der Praxis funktioniert.
Umgekehrt gilt genauso: Ein Handwerksbetrieb kann enorm davon profitieren, wenn er gute Gestaltung zulässt. Wenn er bereit ist, über den eigenen Tellerrand zu blicken und Neues zuzulassen, auch wenn es erst einmal ungewohnt ist. Innovative Produkte entstehen selten, wenn alles beim Altbewährten bleibt, sie entstehen dort, wo sich Handwerksbetriebe auf einen Prozess einlassen, der nicht komplett in ihrer Hand liegt. Am Ende läuft es auf einen Dialog auf Augenhöhe hinaus. Kein Gegeneinander von „der Kreative hat die Idee“ und „der Handwerksbetrieb setzt um“, sondern ein echtes Gespräch, in dem beide Seiten voneinander lernen und beide Seiten etwas riskieren.
Den ersten Hauptpreis holten sich Bastian Hau, Moritz Grünaug und Levent Ortak mit ihrem Verschattungsprojekt „Butterfly“ – eine flexible, modulare Kachelstruktur, die Ästhetik, Funktionalität und Nachhaltigkeit zusammenbringt und gleichzeitig Schattenqualität und Luftzirkulation verbessert. Der zweite Platz ging an das Wiener Designbüro Vandasye für das „Microsofa“, ein kompaktes, zerlegbares Sofa aus nachwachsenden Materialien, komplett kunststofffrei und reparierbar. Platz drei sicherte sich der litauische Designer Arnoldas Šliuževicius mit seinem Tischmöbel „Reverences“.
Und eine der sechs lobenden Erwähnungen ging an die Osttiroler Designerin Gisela Klammsteiner für ihr textiles Projekt „Guardians of the Sleep“. Was diese Arbeiten verbindet, ist genau das, worüber am Podium gesprochen wurde: Gestaltung und handwerkliche Qualität, die keine getrennten Schritte mehr sind, sondern eine selbstverständliche Einheit bilden. Produkte mit Identität, die man nicht einfach so wieder vergisst.
Bis 6. September ist die Ausstellung mit allen prämierten Projekten noch im Museum Aguntum zu sehen – ein Besuch, den ich nur empfehlen kann.
Der Abend in Dölsach hat mich noch einmal daran erinnert, wie eng gute Gestaltung und echte Kreativität zusammenhängen, aber auch, wie viel breiter Kreativität eigentlich gedacht werden muss, als man es oft tut. Kreativität ist für mich nicht in erster Linie eine originelle Idee oder ein schöner Entwurf. Kreativität ist für mich, wenn man unterschiedliche Perspektiven zulässt und daraus eine gemeinsame Sichtweise entstehen lässt.
Genau das ist Handwerkskunst, die auf gute Gestaltung trifft: zwei Welten, zwei Arbeitsweisen, zwei Sprachen, die sich aufeinander zubewegen müssen, damit am Ende etwas entsteht, das beiden gerecht wird. Das ist anstrengender, als allein vor sich hin zu entwerfen oder allein in der Werkstatt zu arbeiten. Aber es ist auch der Punkt, an dem wirklich etwas Neues entsteht. Etwas, das keine der beiden Seiten allein hätte schaffen können.
Der Peter Bruckner Preis macht genau diesen Prozess sichtbar. Und er zeigt, dass es sich lohnt, in diese Übersetzungsarbeit zwischen Design und Handwerk zu investieren, nicht nur für die einzelnen Produkte, die dabei entstehen, sondern für eine Innovationskultur, die Osttirol und Tirol insgesamt weiterbringt. Vergeben wird der Peter Bruckner Preis von der INNOS GmbH.
Ein Frühstücksevent das keines ist. Ein Kino am Morgen. Und drei Leute, die offen über Fehler reden. Warum das funktioniert – und was das m…
…oder was steckt eigentlich hinter Monday Moments…